Erfahrungsbericht
Deutsch-Französische Juristenvereinigung
Sammlung der DFJ | Erfahrungsberichte
Praktikum
bei der Deutschen Botschaft Paris 2000
von Niklas Delp, Osnabrück
Im Februar/März 2000 habe ich an der Deutschen Botschaft in Paris mein notwendiges Verwaltungspraktikum absolviert. Damals hatte ich das vierte Semester meines Jurastudiums in Osnabrück abgeschlossen. Die folgenden Ausführungen sollen einen Überblick über das Praktikum und zugleich einen Einblick in das Pariser Leben geben.
I. Allgemeines
Wie oben schon angedeutet, habe ich mein Verwaltungspraktikum in Paris abgeleistet. Genauergesagt an der Deutschen Botschaft und zwar im Informations- und Dokumentationszentrum (im Folgenden CIDAL genannt) derselben.
Das CIDAL hat die Aufgabe, die französische Öffentlichkeit mit Informationen nahezu jeglicher Art über Deutschland zu versorgen. Dazu zählen sowohl aktuelle politische Themen und Standardinformatioen als auch Antworten auf gezielte Anfrage. Manchmal wird lediglich nach der Adresse einer Institution gefragt, oftmals jedoch werden gezielte und detaillierte Informationen zu speziellen Bereichen erbeten. Das CIDAL gibt jedoch keine Stellungnahmen beispielsweise Journalisten gegenüber ab. Hierfür ist allein der Pressesprecher der Botschaft zuständig, dem das CIDAL untergeordnet ist.
Entgegen meiner anfänglichen Erwartung war es kein Ding der Unmöglichkeit, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Bereits wenige Tage nachdem ich mich mit einer formlose E-mail über die Chancen informieren, kam die positive Antwort des Leiters des CIDALs, Herrn Wilhelm Späth. Danach musste ich die üblichen Unterlagen, d.h. einen kurzen Lebenslauf und ein Bewerbungsschreiben nach Paris schicken. Die Bearbeitung hat sich dann allerdings ein wenig hingezogen, so dass ich nur empfehlen kann, sich ruhig schon ein halbes Jahr vor dem Wunschtermin des Praktikums um einen Platz zu bemühen. Auch sind die Chancen dann natürlich besser, falls mehrere Bewerbungen vorliegen sollten. Zu beachten ist, dass die Dauer des Praktikums mindestens zwei Monate betragen muss. Die Adresse des CIDALs lautet wie folgt:
Centre d'Information et de Documentation de l'Ambassade
de la République fédérale d'Allemagne
24, rue Marbeau
F-75116 Paris
Tél: 0033-(0)-1 44 17 31 31
Fax: 0033-(0)-1 45 00 45 27
Internet: http://www.amb-allemagne.fr
E-mail: cid@amb-allemagne.frDie Nennung von Ansprechpartnern fällt etwas schwer, da auf Grund des Rotationsprinzips des Auswärtigen Amtes die beiden Leiter des CIDALs, je ein Beamter des höheren und gehobenen Dienstes, regelmäßig wechseln. Zu meiner Zeit jedenfalls, also im Frühjahr 2000, handelte es sich bei dem Leiter um Herrn Wilhelm Späth und bei dessen Stellvertreter um Herrn Klaus Heidorn.
II. Ablauf des Praktikums
Die Arbeitszeiten sind normal für französische Verhältnisse, d.h. von Montag bis Freitag jeweils von 09h00 bis 17h00.
Der Inhalt des Praktikums unterscheidet sich vermutlich etwas von dem eines Verwaltungspraktikums in der hiesigen "kommunalen Szene". Es sollte beachtet werden, dass man nicht direkt in der Botschaft arbeitet, sondern in einem anderen Gebäude. Das diplomatische Parkett wird man denn auch kaum betreten. Genau das war auch meine Intention. Während man botschaftsintern eher deutsch spricht, wird man auf Grund der Publikumsbezogenheit des CIDALs sehr oft französisch sprechen müssen. Und gerade das ist ja der Sinn eines Aufenthalts in Frankreich.
Das CIDAL also befindet sich im Gebäude der ehemaligen Botschaft der DDR, was man an manchen Stellen durchaus noch sehen kann. Im Keller kann man z.B. noch die hauseigene Bar bewundern, die dereinst offenbar berühmt-berüchtigt war. Die Praktikanten verfügen über ein eigenes Büro, das mit PCs, Internetzugang und Telefon recht ordentlich ausgestattet ist.
Die Inhalte des Praktikums dürften sich von Mal zu Mal ändern. Wenn man aber bedenkt, dass das CIDAL die französische Öffentlichkeit ganz allgemein über Deutschland informieren soll, kann man sich vielleicht in etwa vorstellen, was einen erwartet.
Ich selbst habe zunächst zwei Wochen am Empfang zugebracht, um den Arbeitsablauf im CIDAL kennenzulernen. Im Empfangsbereich werden, man ahnt es schon, die Besucher empfangen aber auch beraten. Man arbeitet dort mit mehreren netten Kolleginnen zusammen, die einem auch zur Hand gehen, wenn man mal nicht mehr weiterwissen sollte. Die Aufgaben am Empfang konzentrieren sich auf persönliche Gespräche mit Besuchern und die Bearbeitung von fernmündlichen und schriftlichen Anfragen. Dabei ist zu beachten, dass die Kunden in aller Regel kein, oder doch nur sehr wenig deutsch sprechen. Besonders am Telefon ist das die ersten Male ziemlich bitter. Man gewöhnt sich aber daran, und wenn man über ordentliche Französischkenntnisse verfügt, ist das eigentlich auch kein Problem
Nach diesen zwei Wochen habe ich dann Sonderaufgaben übertragen bekommen. Dabei handelte sich einmal um redaktionelle Tätigkeiten hinsichtlich der Recherche und Überarbeitung von Publikationen des CIDALs für die Homepage der Botschaft. Hierzu sind etwa der Statistische Vergleich Deutschland-Frankreich und der Kulturkalender zu nennen. Die Einstellung ins Internet konnte ich allerdings nicht mehr überwachen, da mein Praktikum dann bereits beendet war und nachfolgende Praktikantengenerationen obgleich der von mir abgeschlossenen Arbeiten nicht zu Rande gekommen sind.
Neben diesen langwierigen Tätigkeiten kamen aber auch immer wieder Sonderaufträge aus dem Empfang hinsichtlich juristischer Probleme und Anfragen. Dabei handelte es sich beispielsweise um die Umsetzung von EG-Richtlinien oder Fragen bezüglich des Gerichtssystems.
Besonderes Glück hatte ich, dass das CIDAL während meines Praktikums an drei internationalen Messen in Paris teilgenommen hat. Dabei handelte es sich um den 18ème Salon des Langues, des Cultures et des Echanges Internationaux - EXPOLANGUES, den 11ème Salon de l'Exportation et de la Mobilité International - AVENIR EXPORT und den 20ème SALON DU LIVRE. Ich habe sowohl bei der Vorbereitung der Messen geholfen wie auch auf den Messen gearbeitet. Das zählte nun wirklich zu den interessantesten Tätigkeiten während des Praktikums. Auf der EXPOLANGUES verfügte das CIDAL über zwei Stände, an denen ich abwechselnd eingesetzt wurde. Es gab einen Sonderstand zur Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover und einen allgemeinen Stand, an dem Informationen über Deutschland feilgeboten wurden. Auf der AVENIR EXPORT hatten wir einen Stand zusammen mit der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer, wobei das CIDAL wieder eher allgemein informiert hat, die Handelskammer aber für die wirtschaftlichen Fragen zuständig war. Beim SALON DU LIVRE waren wir Gast auf dem Stand der Frankfurter Buchmesse und haben allgemeine Informationen über Deutschland dargereicht. Im nächsten Jahr übrigens - 2001 - ist die Bundesrepublik das Gastland dieser Messe.
Auf den Messen muss man mehr oder weniger die ganze Zeit über Gespräche führen und macht so die Bekanntschaft von unterschiedlichsten Leuten. Ich hatte den Eindruck, dass viele Besucher einfach nur einen Gesprächspartner gesucht haben und gar nicht so sehr an Informationen interessiert waren. In der Tat habe ich mich nach den Messen auch noch mit einigen Besuchern getroffen. Wenn man also kontaktfreudig und offen ist, kann man persönlich stark profitieren und vielleicht sogar Freundschaften schließen. Allerdings sind solche Ausseneinsätze selten. Bei mir war es nun wirklich Zufall, dass ich auf drei Messen eingesetzt wurde. Es gibt sicherlich auch Zeiträume, in denen keine Messen stattfinden.
III. Das Leben in Paris
Wie man sich vorstellen kann, unterscheidet sich das Leben in Paris doch erheblich von dem in anderen Städten. Jedenfalls ist das so in der Beziehung Osnabrück-Paris.
Zunächst einige Worte zur Unterkunft. Die Mietpreise sind exorbitant hoch. Ich habe in einer Art WG gewohnt und musste für das ca. 15m² große Zimmer 2200 FF zzgl. Strom und Telefon bezahlen. Das ist ungefähr der Kostenrahmen, auf den man sich einstellen sollte. Natürlich kann man auch günstigere Zimmer/Studios finden. Dabei handelt es sich dann aber meistens um sog. Löcher. Als ich mir einige Wohnungen angesehen habe, war ich zum Teil recht unangenehm überrascht. Aber letztendlich ist das eine Geschmacksfrage. Jedenfalls sollte man sich rechtzeitig um eine Unterkunft bemühen und auch nach Paris fahren, um sich das Objekt anzusehen. Wohnungsangebote gibt es u.a. im Internet. Wenn man unter
www.yahoo.fr das Stichwort "logement" eingibt, hat man schon eine große Auswahl. Daneben kann man in Paris noch verschiedene Zeitschriften mit Wohnungsangeboten kaufen. Es sollte also kein Problem darstellen, eine Unterkunft zu finden. Gleichwohl sollte man bedenken, dass es in der Regel einfacher ist, eine Unterkunft für einen längeren Zeitraum zu finden, als nur für zwei Monate.Ich habe im 18. Arrondissement, ca. 5 Minuten von der Sacré-Cœur entfernt, gewohnt. Das war einigermaßen praktisch, da sich das CIDAL an der Endstation der Métro 2, Porte-Dauphine, befindet und meine Wohnung in unmittelbarer Nähe zur Station Anvers lag, so dass ich nicht umsteigen musste. Die Métroverbindungen sollte auf jeden Fall bei der Wohnungssuche berücksichtigt werden. Métropläne sind eigentlich auf jedem Stadtplan von Paris zu finden. Ansonsten lohnt sich auch ein Besuch der RATP-Homepage,
www.ratp.fr. Dort bekommt man auch Informationen zu Fahrpreisen etc. Grundsätzlich dürfte sich eine Carte orange lohnen, die es sowohl wochenweise als auch für einen Monat gibt.Beträgt die Dauer des Aufenthalts in Frankreich weniger als drei Monate, benötigt man keine Aufenthaltserlaubnis, die sog. Carte de séjour. Sollte man dennoch eine beantragen müssen, so sollte man dies in der Polizeipräfektur auf der Ile de la Cité tun. Falls man gleich morgens um 08h00 vor Ort ist, wird sie in der Regel innerhalb von 45 min fertiggestellt, allerdings nur, wenn man einen Reisepass dabei hat. Dann nämlich wird die Carte direkt in den Pass geklebt. Man benötigt neben dem Pass, bzw. Personalausweis, zwei bis drei Passbilder (s/w), eine internationale Geburtsurkunde, einen internationalen Krankenschein, eine Einkommensbestätigung für den Zeitraum des Aufenthalts, einen Mietvertrag, bzw. die Bestätigung, dass man irgendwo in Paris wohnt und eine Stromrechnung der Wohnung. Sollten die Unterlagen nicht vollständig sein, muss man eben am nächsten Tag wiederkommen. Die Sachbearbeiter sind freundlich und helfen einem auch.
Zum Abschluss noch ein paar Tipps, die vielleicht nicht in jedem Reiseführer zu finden sind. Sollte man sich mehrere Monate in Paris aufhalten, würde ich mir eine Jahreskarte für die Bibliothèque François Mitterand kaufen. Für Studenten kostet eine solche Karte 100 FF. Mit dieser hat man dann Zugang zum Internet und zu einer Vielzahl der einzelnen Abteilungen. Im Pressesaal gibt es beispielsweise neben französischen Zeitungen auch deutsche Zeitschriften und aktuelle Tageszeitungen.
Eine Jahreskarte für den Louvre lohnt sich m.E. auch. Sie kostet 120 FF, d.h. mit drei Besuchen hat sie sich bereits amortisiert. Und mehr als ein Mal muss man ohnehin hingehen, will man sich nicht mit dem Standardtouristenprogramm begnügen.
Daneben bietet das Studentenwerk von Paris (C.R.O.U.S.) zahlreiche Veranstaltungen für Studenten zu wirklich günstigen Preisen an. Der Vorteil solcher Angebote ist, das man in die Verlegenheit kommt, sich auf französisch zu unterhalten und die Bekanntschaft von Franzosen machen kann. Überhaupt sollte man zusehen, dass man sich ein wenig unter's Volk mischt. Die Pariser wirken zwar zunächst etwas arrogant, aber man kann auch nette Leute kennenlernen. Ich habe manche Freundschaft schließen können, die auch die Entfernung Paris-Osnabrück überlebt hat. So konnte ich mich letztendlich doch noch auf dem diplomatischen Parkett versuchen, als ich zum Neujahrsempfang in die vietnamesische Botschaft eingeladen wurde.
Das kulturelle Angebot in Paris ist ungemein vielfältig. Zum besseren Überblick erscheinen jeden Mittwoch Veranstaltungskalender, die jeweils eine Woche Gültigkeit haben. So z.B. das Pariscope, das auch im Internet zu finden ist, www.pariscope.fr. Hier findet sich das komplette Programm der Kinosäle, Konzerte etc.
Grundsätzlich ist es anzuraten, sich bereits vor dem Beginn des Aufenthalts eingehend mit der Materie Paris zu beschäftigen. Ich selbst war mit dem Reisetaschenbuch Paris des Dumont-Verlages sehr zufrieden. Der Markt ist allerdings unerschöpflich, und es hat ohnehin jeder seinen eigenen Geschmack, so dass ich hier keine Empfehlung aussprechen möchte.
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