Erfahrungsbericht
Deutsch-Französische Juristenvereinigung
Sammlung der DFJ | Erfahrungsberichte
Praktikum
bei der Deutschen Botschaft Paris 2000
von Klaus Elfring, Osnabrück
DFJ Erfahrungsbericht von Klaus Elfring
Vorbemerkung
Im Februar/März 2000 habe ich das während des juristischen Studiums vorgesehene Verwaltungspraktikum im Informationszentrum der Deutschen Botschaft in Paris (CIDAL) absolviert. Im Folgenden möchte ich von meinen Erfahrungen, die ich während meines Praktikums in Paris gemacht habe, berichten und einige Tipps und Ratschläge zur Vorbereitung und Durchführung eines solchen Aufenthaltes geben.
Vorbereitung
Einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen ist eine interessante und wichtige Erfahrung und bietet die Möglichkeit, Sprachkenntnisse zu verbessern und eine Abwechselung vom Studienalltag der Heimatuniversität zu erfahren. Gleichwohl ist ein solcher Auslandsaufenthalt auch mit einem gewissen organisatorischen Aufwand verbunden und will gut vorbereitet sein.
Sprache
Um bestmöglichen Nutzen aus dem Aufenthalt zu ziehen, sei es empfohlen, sich auch fachspezifisch, d.h. durch die Teilnahme an fachspezifischen Fremdsprachenkursen an der Heimatuniversität, auf die Zeit im Ausland vorzubereiten. An der Universität Osnabrück hatte ich die Gelegenheit, am fachspezifischen Fremdsprachenprogramm des Akademischen Auslandsamtes sowie an Einführungskursen in das französische Recht des Fachbereichs Rechtswissenschaften teilzunehmen.
Bewerbung
Praktika im Ausland erfreuen sich regelmäßig großer Beliebtheit. Eine frühzeitige Bewerbung für eine Stelle ist daher erforderlich. Insbesondere im Internet lassen sich viele interessante Angebote und Kontaktadressen französischer und deutscher Unternehmen und Institutionen in Frankreich finden. Ferner stehen auch im Mitgliederverzeichnis der DFJ Kontaktadressen vor allem von Anwälten in Frankreich, die Praktika anbieten.
Die Unterkunft
Auch die Suche nach einer Unterkunft sollte wegen der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt in Paris rechtzeitig vorgenommen werden. Im Internet gibt es hierzu viele Angebote. Zu beachten ist allerdings, dass diese in Frankreich häufig von Immobilienagenturen stammen und mit einer Vermittlungsgebühr zu rechen ist. Für einen kurzen Aufenthalt lässt sich überlegen, in einem Hotel zu wohnen. In Paris ist der Unterschied zwischen günstigen Hotels und Mietwohnungen bei kürzeren Aufenthalten aufgrund der hohen Mietpreise nicht sehr groß.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich beim zentralen Studentenwerk in Paris, dem CROUS, oder beim Heinrich-Heine-Haus in der Cité Universitaire nach einer Unterkunft zu erkundigen. In der vorlesungsfreien Zeit gibt es häufig Angebote, Zimmer von Studenten zu mieten. Für ein Hotelzimmer ist mit einem Preis ab 40 DM/Nacht zu rechnen, der durchschnittliche monatliche Mietpreis für Wohnheime und Mietwohnungen beträgt ca. 50 DM/m². Es gibt jedoch erhebliche Preisunterschiede.
Anschriften
CROUS: Cité Universitaire :
CROUS de Paris Maison Heinrich Heine
Service du Logement Cité Internationale Universitaire de Paris
39, avenue Georges Bernanos 27c, boulevard Jourdan
75005 Paris 75690 Paris Cedex 14
Tél. : 0033 – 1 – 40 51 37 21 Tél. : 0033 – 1 – 44 16 13 00
Fax : 0033 – 1 – 40 51 37 19 Fax : 0033 – 1 – 44 16 13 01
Internet : http://www.crous-paris.fr Internet : http://www.maison-heinrich-heine.org
e-mail : dad@crous-paris.fr e-mail : hsastre@maison-heinrich-heine.org
Bei längeren Aufenthalten können Studierende bei der Caisse d´Allocations Familiales (CAF) einen Wohngeldzuschuss beantragen. Dieser beträgt bis zu 40 % des Mietpreises.
Ich habe in Paris in einer Mietwohnung im 11. Arrondissement in der Nähe von der Place de la Bastille gewohnt. Neben diesem interessanten Stadtviertel sind auch Montmatre oder Montparnasse als Wohngegenden zu empfehlen.
Die finanzielle Kalkulation
Neben den Unterhaltskosten ist in Paris mit höheren Lebenshaltungskosten zu rechnen. Längere Praktika in französischen Einrichtungen/Unternehmen sind in der Regel entgeltlich. Mein Praktikum in der Botschaft dagegen war, abgesehen von einer Zuwendung für die Teilnahme an einigen Ausstellungsmessen, unentgeltlich. Finanzielle Unterstützung erhielt ich durch das Stipendium der Deutsch-Französischen Juristenvereinigung.
Literaturempfehlungen
Das Praktikum
- Einführung in das französische Recht, Hüber/Constantinesco
- Frankreich, Haensch/Tümmers
- Paris, Baedecker Reiseführer
- Paris, Marco-Polo Reiseführer
CIDAL
Der CIDAL ist das Informationszentrum der Deutschen Botschaft in Paris.
Kontaktadresse:
CIDAL
24, rue Marbeau
75116 Paris
Tél. : 0033 – 1 – 44 17 31 31
Fax : 0033 – 1 – 45 00 45 27
Internet : http://www.amb-allemagne.fr
e-mail : cid@amb-allemagne.fr
Er wurde nach der Wiedervereinigung im Gebäude der ehemaligen DDR-Botschaft im Pariser
Westen eingerichtet und ist für den Bereich der politischen Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sein Ziel ist es, die französische oder frankophone Öffentlichkeit über Deutschland und über die Beziehungen Deutschlands zu Frankreich und der frankophonen Länder zu informieren. Dazu steht im CIDAL reichlich Informationsmaterial zur Weitergabe oder zur Einsicht zur Verfügung. Des weiteren werden schriftliche oder telefonische Anfragen beantwortet oder gegebenenfalls an andere zuständige Stellen verwiesen. Schließlich steht den Besuchern ein Internetcafé kostenlos zur Verfügung, so dass eigentlich jedes Informationsbedürfnis befriedigt werden können sollte. Neben dem Leiter des CIDAL, einem Beamten des höheren Dienstes im Auswärtigen Amt, sind dort ca. 15 Personen beschäftigt.
Ablauf des Praktikums
Für mich bot das Praktikum einen Einblick in einen für Juristen interessanten Arbeitsbereich, dem des Auswärtigen Dienstes ( Informationen unter http://www.auswaertiges-amt.de ). Durch die Möglichkeit, Gespräche mit dem Leiter des CIDAL und anderen, in der Botschaft tätigen Juristen, zu führen, konnte ich Informationen über die interessante und abwechselungsreiche, aber auch anspruchsvolle Tätigkeit im Auswärtigen Dienst aus erster Hand bekommen.
Zu Begin des Praktikums war ich zwei Wochen lang im Empfang tätig. Einige hilfsbereite französische sowie deutsche Kolleginnen wiesen mich in die Arbeit ein. Zunächst habe ich mich mit den zahlreichen Informationsbroschüren vertraut gemacht, um bei entsprechenden Anfragen auch gut ausgerüstet zu sein. Die zu verteilenden Broschüren und Videokassetten stammen hauptsächlich vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, von den Bundesministerien und Bundesländern sowie von Informationsdiensten wie Inter Nationes. Im Empfang war ich hauptsächlich damit beschäftigt, schriftliche und telefonische Anfragen zu beantworten sowie Besuchern Rede und Antwort zu stehen. Dies war besonders interessant, da sich so Kontakte zu Franzosen entwickelten. Die Fragen bezogen sich auf nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens in Deutschland wie z.B. Politik, Wirtschaft, Recht, Geschichte, Kultur etc. Falls ich die Fragen nicht direkt beantworten konnte – dies war häufig der Fall, denn die Fragen waren oft sehr detailliert - standen mir eine Fülle von Nachschlagewerken zur Verfügung, die ( fast ) keine Frage unbeantwortet ließen. Im Wesentlichen besuchten Lehrer, Schüler und Studierende sowie Journalisten das Informationszentrum. Die Besucher können sich dort auch länger in einer ruhigen und angenehmen Atmosphäre aufhalten und in einem Leseraum sowie gratis im Internet nach weitern Informationen recherchieren.
Nach diesen zwei Wochen bekam ich dann ein eigenes Büro zugeteilt und wurde mit neuen Aufgaben betraut. Ich hatte einige Dokumente der interessanten und umfangreichen Homepage der Botschaft ( http://www.amb-allemagne.fr ) zu überarbeiten und zu aktualisieren. Dabei handelte es sich um eine, die deutsch-französischen Beziehungen betreffende Bücherliste sowie um eine Liste aller deutsch-französischen Städtepartnerschaften. Die hierzu erforderlichen Recherchen nahm ich vor allem im Internet vor. Diese Arbeit zog sich aufgrund des enormen Umfangs dieser Dokumente über einige Wochen hin.
Eine weitere interessante Tätigkeit bestand schließlich in der Vorbereitung und Durchführung von drei Ausstellungsmessen, die im Februar/März in Paris stattfanden. Dabei handelte es sich um:
- Expolangues
- Avenir Export
- Salon du Livre
Der CIDAL war dort mit einem Ausstellungsstand vertreten. Es wurde insbesondere Werbung für die Expo 2000 in Hannover gemacht. Für mich boten sie die Möglichkeit, viel französisch zu sprechen und so meine Sprache zu verbessern und des weiteren interessante Menschen kennen zu lernen.
Das Leben in Paris
Allgemein
Das Leben in der Stadt an der Seine ist natürlich aufgrund des immensen Angebots sehr interessant und aufregend. Dort konnte ich mich auch mit Dingen beschäftigen, für die während des hiesigen Studiums wenig Zeit bleibt oder deren Vielfalt hier gar nicht besteht.
Tipps
Wer nicht in Frankreich studiert, kann sich vom Studentenwerk der Heimatuniversität einen deutsch-französischen Studierendenausweis ausstellen lassen, der regelmäßig 3 DM kostet. Somit kann man sich in Frankreich entsprechend ausweisen und Ermäßigungen erhalten, die es häufig für Studierende gibt.
Beim oben bereits angesprochenen CROUS werden regelmäßig Ausflüge in die Umgebung von Paris sowie Besichtigungen in Paris angeboten, die sehr interessant und günstig sind. Ich habe z.B. an einem Wochenendsausflug an die Loire teilgenommen und in Paris die Cour de Cassation und das Verlagshaus von Le Monde besucht. Ferner gibt es im Gebäude des CROUS auch eine schöne Mensa ( Restaurant Universitaire – Resto-U ). Veranstaltungen werden auch im Heinrich-Heine-Haus angeboten. So konnte ich z.B. eine Podiumsdiskussion mit Richard von Weizsäcker und Alfred Grosser verfolgen. In der Cité Universitaire befindet sich ebenfalls eine gute Mensa.
Für längere Aufenthalte in Paris ist zu empfehlen, die häufig mit erheblichen Ermäßigungen angebotenen Dauerkarten zu kaufen. So kostet z.B. eine Jahreskarte des Louvre 36 DM, die neben des günstigen Preises auch deshalb zu empfehlen ist, weil man lange Wartezeiten an der Kasse umgehen kann. Eine Jahreskarte der Bibliothèque François Mitterand kostet 30 DM. Dort gibt es u.a. Internetzugänge und aktuelle Tageszeitungen aus aller Welt. Schließlich ist noch auf die Métro-Monatskarte hinzuweisen, die ca. 80 DM kostet.
Für Juristen sehr interessant ist ein Besuch der Cour de Cassation, des obersten Gerichts in Zivil- und Strafsachen. Es besteht die Möglichkeit, sich Verhandlungen anzusehen. Außerdem kann man kostenlos Informationsmaterial über das französische Justizwesen erhalten. Die Cour de Cassation befindet sich im Palais de Justice auf der Ile de la Cité.
Schließlich kann ich noch den Erwerb des Pariscope empfehlen. Es handelt sich um einen wöchentlich erscheinenden Veranstaltungskalender über Paris und die Umgebung, der lediglich 90 Pf. kostet. Er ist an jedem Zeitungsstand erhältlich und kann auch im Internet abgerufen werden ( http://www.pariscope.fr ).
Fazit
Mein Aufenthalt in Paris hat mir sehr gut gefallen und war in jeder Beziehung eine Bereicherung für mein Studium und eine wichtige Lebenserfahrung. Ich konnte v.a. auch meine Französischkenntnisse verbessern. Daher kann ich nur jedem empfehlen, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren oder gar dort zu studieren.
Sammlung der DFJ | Erfahrungsberichte