Erfahrungsbericht

Deutsch-Französische Juristenvereinigung


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Studienaufenthalt in Paris I - WS 1990 / 91

von RA Markus Kreuzkamp

Vorbemerkung:

Ich hatte das Glück, der ersten Gruppe Kölner Jura-Studenten anzugehören, die im Rahmen des EURASMUS-Programms Köln-Paris I an der Universität Paris I studieren durfte. Diesen Bericht möchte ich darum in erster Linie nachfolgenden Studenten als Hilfe und "Vorgeschmack" widmen. Ich habe mich um umfassende "Berichterstattung" bemüht, die über den rein universitären Bereich hinausgeht.

Stipendium / Finanzierung:

Paris ist teuer. Unterkunft und Lebensmittelpreise übersteigen bei weitem das Nivau von Köln. Besonders teuer wird es jedoch, wenn man nicht nur in Vorlesungen und Bibliotheken hockt, sondern im Sinne eines "studium generale" am unerschöpflichen Kulturangebot teilnimmt. Darum muß allen Überlegungen voran die Finanzierungsfrage stehen, wobei die Kosten der Unterkunft sehr stark ins Gewicht fallen.

Als Hilfestellung von der Universität Köln bekam ich über das verantwortliche Institut für Versicherungsrecht, Prof. Dr. U. Hübner, gewährt:

- Stipendium EURASMUS über DM 550,- p.m. für 5 Monate (WS 1990/91)

- Erlaß der Studiengebühren (ca. 2.000 FF) im Rahmen der Partnerschaft

Ein Hilferuf bei Prof. Dr. Lüderitz erbrachte eine einmalige Zahlung von DM 500,- aus Mitteln der Westhaus-Stiftung für jeden Stipendiaten. Hierfür sei an dieser Stelle nochmals ausdrücklich gedankt.

Weitere Stipendien - als Düsseldorfer hatte ich z.B. bei der Dr.-Jost-Henkel-Stiftung angefragt - wurden mir nicht gewährt. Hier erwies es sich als Nachteil, daß die Entscheidung für das Programm und die Zusage, nach Paris gehen zu dürfen, erst sehr spät im Jahr erfolgte. Im Fall der Henkel-Stiftung wurde ich lediglich nicht bedacht, weil die Mittel bereits ausgeschöpft waren.

DM 550,- oder DM 650,- p.m. sind für Paris völlig unzureichend (und reichten bei mir nicht einmal für die Kosten der Unterkunft).

Darum sollte die Universität - wenn sie nicht wesentlich mehr Geld "locker machen" kann - sich um eine frühere Entscheidung bemühen, damit die Studenten noch eine reelle Chance auf andere Fördermittel haben.

Nicht-EG-Studenten z.B., die in Paris ein Stipendium vom französischen Staat bekommen, erhalten min. 3.800 FF p.m. - und selbst das reicht kaum aus.

In die Finanzkalkulation einzubeziehen ist, daß der Sozialbeitrag für das Semester in Köln weiterbezahlt werden muß (Urlaubssemester anmelden!) sowie ggf. die Krankenkasse, wenn keine Familienversicherung besteht. Studenten zahlen in Frankreich übrigens höhere Kassenbeiträge mit weniger Leistung als bei uns. Darum empfiehlt es sich, in der deutschen Kasse zu bleiben!

Ganz wichtig ist weiterhin, daß man sich - zumindest wie wir/ich es erlebt haben - nur auf schriftliche Auskunft der Kölner Universität verlassen darf: Zuerst wurde allen Interessenten gesagt, man würde den von EURASMUS der Uni Köln bewilligten Betrag auf alle betroffenen Studenten gleichmäßig aufteilen. Dann wurde - zu meinem Vorteil und zum Nachteil anderer - doch eine Auswahl getroffen und einige gingen leer aus.

Später im Dezember erhielt ich einen Brief vom Institut für Versicherungsrecht, die EG hätte noch mehr Gelder bewilligt, ich möge doch mitteilen, ob und wie lange ich verlängern möchte. Daraufhin telefonierte ich mit dem verantwortlichen Briefautor, Dr. Klöckener, der mir die gewünschte Verlängerung um einen Monat fest zusagte. Allerdings müsse ich ihm - der Form halber - noch schriftlich einen Brief mit der Bitte um Verlängerung schicken. Gesagt - getan. Aus den Weihnachtsferien nach Paris zurückgekeht, verlängerte ich dann meinen Mietvertrag in Paris um einen Monat. Mitte Januar wurde mir dann in einem netten Brief von Herrn Dr. Klöckener die Endabrechnung für das Stipendium mitgeteilt mit der Bemerkung - unter P.S. (!) -, für eine Verlängerung sei leider kein Geld mehr da gewesen. Natürlich bin ich trotzdem im März in Paris geblieben, denn die Verlängerung des Mietvertrages war gültig und 2.400 FF für eine Unterkunft verschenkt man nicht.

TIP: Als Devisenquelle in Frankreich empfiehlt sich das deutsche Postsparbuch, von dem man an jedem Postamt in Frankreich Geld in FF abheben kann. Gegenüber Euroschecks oder Bargeld ist es sicherer (Abhebung nur gegen Sparbuch, Ausweiskarte und Paß!), der Kurs ist günstiger und nicht abgehobenes Geld wird verzinst. Damit erübrigt sich auch die Einrichtung eines Kontos in Frankreich. Postsparbücher sollte man nie über DM 2.001 auffüllen, da man nur max. DM 2.000 p.m. abheben kann. Lieber mehrere Sparbücher anlegen!

Unterkunft:

Wichtigste Frage neben der Finanzierung ist die Unterkunft. Sie muß zum einen bezahlbar sein, zum anderen hat es keinen Zweck, "weitab vom Schuß", z.B. in der banlieue zu wohnen. Letzteres wird man - auch bei nahem RER-Anschluß - nach kurzer Zeit bereuen, weil man damit an vielen Aktivitäten schlecht oder nicht teilnehmen kann: Man verliert zuviel Zeit durch die Fahrten und ist auf die Verkehrszeiten von Metro und RER (kein Verkehr von 0.30 - 5.30 Uhr) angewiesen.

Absolut empfehlenswert ist, sowohl nahe des Stadtzentrums wie auch nahe des Vorlesungsgebäudes zu wohnen, zumindest aber innerhalb von Paris mit gutem Metro-/RER-Verbindungen. Jura-Kurse der Uni Paris I finden statt: Niveau 1. + 2. Studienjahr (DEUG): Turm Mendès France, 90, rue de Tolbiac, 13. arrondissement (arr.); Niveau 3. + 4. Studienjahr (license et maitrise): Gebäude Panthéon-Sorbonne, direkt gegenüber dem Panthéon, 5. arr.. Das 13. arr. liegt genau südlich des 5. arr..

Daraus folgt, daß ideale Wohnquartiere im 5. und 6. arr. liegen (hier ist abends auch etwas los) sowie notfalls (etwas billiger) im 13. arr.. Sofern etwas billiges gefunden wird, sind auch die üblicherweise teuren arr. 1-4 ideal. Pariser Postleitzahlen geben mit den beiden letzten Ziffern (nach 750) immer das arr. an (75001 - 75020). Desweiteren sind Zimmerangebote meist mit dem Hinweis auf die nächstliegende Metro-Station (M. X) versehen.

Zufrieden kann sein, wer in der cité universitaire wohnt. Sie liegt zwar ganz südlich im 13. arr., hat aber guten RER-Anschluß. Über die Bewerbung informiert beiliegende Anlage 1. Allerdings habe ich auch hier eine negative Erfahrung gemacht: Von den 7 Kölner Bewerbern meiner Gruppe fanden nur 2 Aufnahme im deutschen und einer im tunesischen Haus. Das Maison Heinrich Heine teilte mit, aufgrund von Renovierungsarbeiten sei weniger Platz als normal vorhanden. Denjenigen von uns, die also nicht untergekommen waren, wurde von der Kölner Uni als Hilfe der freundliche Rat erteilt, sich doch selbst weiter um andere Lösungen zu bemühen. Daß es auch anders geht, bewies die Kieler Universität: Nachdem wir Kölner schon einige Zeit in Paris waren (nach Anfang Oktober), rückte eine Gruppe aus Kiel an und - oh Wunder - wurden aufgrund des Drucks der Kieler Uni plötzlich Räume im Heinrich-Heine-Haus für sie frei.

Es bleibt zu hoffen, daß die Kölner Uni sich in Zukunft erfolgreicher - und vor allem früher - um Unterkünfte bemüht. Mitentscheidend ist auch hier der Zeitfaktor. Uns wurde so spät die Entscheidung für Paris definitif mitgeteilt, daß - was den subventionierten Wohnungsmarkt betraf - alles bereits vergeben war:

Anlaufstelle neben der cité ist das Studentenwerk (CROUS). Als ich den CROUS direkt wegen Hilfe anschrieb, bekam ich schriftlich die Antwort, für EURASMUS-Studenten seien die Projektbeauftragten der Unis zuständig, nicht der CROUS. Die französische EURASMUS-Koordinatorin verwies auf die Kölner Uni und deren Hilfe habe ich oben genannt. Daraus folgt: Französische Behörden sind ebenfalls Meister der Verweisungskunst und es zählt allein die Eigeninitiative. Immerhin schickte mir der CROUS seinen Prospekt Nr. 2 (als Anlage 2 beigefügt), der die verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten für Studenten beschreibt. Darum kann ich mich hier kurz fassen. Persönlich schieden für mich die CROUS-Residencen wegen Verstreichen der Anmeldefrist und o.g. Antwort aus. Neben den CROUS-Residencen gibt es unabhängige Residencen oder Foyers (CROUS-Prospekt Nr. 9, als Anlage 3 beigefügt). Ich habe alle Foyers, die Studenten aufnehmen (für Studentinnen sind Angebot und Chance größer!), angeschrieben. Ohne Erfolg! Sofern ich eine Antwort bekam, lautete sie, daß leider alles schon vergeben sei. Lediglich das "maison diocesaine" schrieb mir, man danke für das Interesse, meinen Sohn (!) anmelden zu wollen. Für 2.150 FF im Doppel- oder 2.750 FF im Einzelzimmer seien noch Plätze frei, allerdings mit der Verpflichtung zu klosterähnlichem Leben (Gottesdienstbesuch, jeden Donnerstag Meditationsabend, Meditationswochenenden und zwischen Weihnachten und Neujahr eine Woche Exercitium!).

Beim "Logement en ville" des CROUS bekommt man täglich eine Adresse genannt. Sofern man weniger als ein ganzes Studienjahr in Paris bleibt, wird man regelmäßig den min. 10 anderen Mitbewerbern , die eine längere Mietdauer anbieten, unterliegen.

Vergessen kann man weiterhin die Hilfe des "institut francais" - zumindest des Düsseldorfer. Von dort bekam ich eine Liste von Organisationen, die Unterkünfte in Familien vermitteln. Die Liste war total veraltet, so daß die meisten Briefe unzustellbar waren. Hilfe bot nur der "accueuil familial des jeunes étrangers" an, zu unzumutbaren Preisen: Ohne Provision (700 FF): 110 FF (banlieue) - 140 FF (Paris) pro Tag für Zimmer mit Frühstück.

Dies bedeutet, es bleibt - wenn die cité versagt und aufgrund der späten Zeit auch die anderen CROUS-Angebote nicht mehr helfen - nur der "freie Markt".

Wenig hilfreich war für mich persönlich die deutsche Botschaft (neben dem Grand Palais). Dort kann man einen Ordner mit Wohnungsangeboten einsehen, die aber meist für gehobene Ansprüche (ab 8.000 FF p.m.) bestimmt waren. Die preislich in Frage kommenden Angebote lagen in der banlieue oder waren schon vergeben. Aber vielleicht hat man ja ein anderes Mal Glück.

Eine weitere Info-Möglichkeit stellen Anzeigen dar. Am besten ist das Immobilienheft "De particulier à particulier", das donnerstags erscheint.

Weniger gut sind Immobilienagenturen, da üblicherweise die Mindestprovision eine Monatsmiete und die Mindestmietdauer 1 Jahr betragen.

TIP: Hervorragend ist jedoch das Anzeigenbrett der église amercain, quai d'orsay (M. Pont de l'Alma). Täglich ca. 10 neue Angebote für studentengerechte Unterkünfte!

Ebenfalls hervorragend ist eine private, sehr rührige Vermittlungsorganisation: Contact & Conaissance International (CCI), die nur 1/2 Monatsmiete Provision nimmt - und nur im Erfolgsfall, wenn man wirklich etwas durch sie findet!!! - , aber immer ein sehr großes und billiges Angebot von Unterkünften bei Privatleuten (vom Dachzimmer bis zum Studio, Wohnungsteilung etc.) hat. Trotz Provision ist es meist - gerechnet auf die Aufenthaltsdauer - über sie nicht teurer als eine selbst gesuchte Unterkunft. Geleitet wird CCI von zwei Amerikanern: William (Tel. 45-79-94-78, schönen Gruß von mir bestellen!) und Andrea (Tel. 45-79-15-31).

Für die Wohnungssuche sollte man sich einige Tage Zeit nehmen. Über kurzfristige Unterkunftsmöglichkeiten während dieser Zeit informiert beiliegender CROUS-Prospekt Nr. 2 (Anlage 3) sowie das gelbe Blatt des Tourismus-Büros in der Anlage 4. Hotel- und Jugendhotelunterkünfte vermittelt das Tourismus-Büro. Desweiteren gibt es an den großen Bahnhöfen (z.B. gare du nord) "accueils pour jeunes étrangers" (AJE) mit Unterkunftvermittlung in billigen Jugendhotels. Die Jugendherbergen liegen meist weit außerhalb und sich daher nicht zu empfehlen. Vom Tourismus-Büro habe ich schließlich weitere Adressen "Logements pour étudiants" erhalten (Anlage 5), die ich aber nicht ausprobiert habe.

Schließlich sei angemerkt, daß es in Paris zwar eine Art "Mitwohnzentrale" gibt, das Angebot jedoch erst bei 150 FF pro Tag beginnt.

Anreise / Verkehrsmittel in Paris:

Sind Finanzierung und Unterkunft gesichert, stellt sich die Frage der Anreise. Man sollte unbedingt die Unterkunft vorher gesehen haben, um zu wissen, was man noch mitbringen muß (von Bettwäsche bis zu Möbeln). Je nach Menge empfiehlt sich Auto oder Mitfahrzentrale/Zug.

TIP: Bei Anreise im eigenen PKW in Deutschland und später in Belgien volltanken, da das Benzin in Frankreich (bisher) teurer ist. Weiterhin kann jedes ADAC-Mitglied (wenn man kein Mitglied ist, bittet man ein Mitglied) bei jeder ADAC-Geschäftsstelle telefonisch ein "Tourenpaket Paris" anfordern. Man erhält dann kostenlos Landkarten mit eingezeichneter Fahrtroute und viel andere nützliche Information.

Wenn man in Paris zentral wohnt, braucht man einen Pkw nur für Ausflüge oder Besuche in die banlieue, Ile de France usw.. Innerhalb Paris ist die Metro schneller (außer nachts) und nervenschonender. Weiterhin ist tagsüber das Finden legaler Parkplätze fast und das Finden kostenloser (non payant) Parkplätze so gut wie unmöglich. Ein Garagenplatz kostet 1.500 FF aufwärts p.m.. Außerdem ist Paris unsicher. Zum einen werden fremde Pkw nicht nur im fahrenden, sondern auch im ruhenden Verkehr gern "angebeult". Zum anderen schrecken Pariser Diebe vor nichts zurück. Um mein 3 Jahre altes Radio (Neupreis wahnsinnige 200,- DM!) zu klauen, wurde mein Wagen für ca. 2.000 FF demoliert. Er stand dabei in einer hellerleuchteten Straße in 150 m Entfernung des Hauptkommissariats des vornehmen 16. arr.!

Ebenso ist das Fahrrad als Verkehrsmittel wenig geeignet. Man ist zwar schneller als die Autos, fast so schnell wie die Metro, dafür an der Oberfläche, sieht mehr, ist flexibler und hat keine Parkprobleme, doch man lebt gefährlich. Als ich an einer Kreuzung (vor einer roten Ampel) stand (!), hat mich ein Bus abbiegender angerempelt und meine Jacke zerrissen. Vier Tage später wurde dann mein Fahrrad geklaut; dabei war es 7 m vor dem Haupteingang des Kaufhauses BHV, also 7 m vom dortigen Wachpersonal entfernt, angekettet!

Somit bleiben Metro, Busse und RER.

TIPS: Man sollte genau überlegen, welche Fahrscheine billiger kommen. Monats- (196 FF) und Wochenkarten (51 FF) haben den Vorteil, daß man unbeschränkt Busse benutzen kann. Einzelfahrscheine (10 Stück: 32,80 FF) gelten nämlich in Metro/RER für unbegrenzt lange Strecke und beliebiges Umsteigen, in Bussen muß man jedoch ca. alle 7 Stationen (Zonen) eine neue Karte lösen. Trotzdem können manchmal Einzelscheine - je nach Fahrverhalten - billiger kommen. In Monaten - z.B. im Dezember mit Weihnachten -, wo man vielleicht einige Tage nicht in Paris ist, können drei notwendige Wochenkarten (+ ggf. ein paar Einzelscheine) billiger als ein Monatsschein kommen.

Bei der Wohnungssuche sollte man den Anschluß an das Nachtbusnetz (0.30 - 5.30 Uhr) berücksichtigen!

Wenn man eine Adresse sucht, reicht es, die Metro-Station zu kennen. In jeder Station hängen sehr gute "Plans de Quartier" aus, die dann die weitere Orientierung ermöglichen.

Einschreibung:

Die Einschreibung erfolgt gemäß dem Info Anlage 6. Zu beachten sind die Öffnungszeiten (ca. 9 - 12 und 15 - 17 h, erst ab ca. 10.9. zum WS) und daß man ein Paßbild für den Studentenausweis benötigt.

Durchführung des Studiums:

Zuständig für uns seitens der Uni Paris I war Prof. Dr. Fromont. Die Kontaktaufnahme mit ihm ist sehr schwierig. Er hat im Panthéon-Gebäude ein Brieffach und ein Büro, das manchmal mit einer Sekretärin besetzt ist, die meist nie weiß, wo er ist und wann man ihn sprechen kann. Das Büro ist im alten Gebäude im "Departement de Langues Vivantes Appliqués". Betritt man das Panthéon-Gebäude von der rue St. Jacques, nimmt man die Treppe links des Foyers, 2. Stock, Tel.: 46.34.97.00, Poste 96.02. Ein weiteres Büro von Prof. Dr. Fromont , Relations Internationales, UFR 07, hat die Tel.-Nr. 46.34.97.32.

Kurz vor Vorlesungsbeginn hatten alle Kölner Studenten einen gemeinsamen Gesprächstermin mit ihm. Dort erklärte er uns den Studienverlauf, wie er auch tatsächlich später erfolgte:

Wir konnten uns unsere Vorlesungen aussuchen. Dabei mußten wir uns für min. 3 Vorlesungen entscheiden, zu denen wir eine mündliche Prüfung ablegen wollten. Diese Vorlesungen sollten wir ihm innerhalb 4 Wochen mitteilen. Er informierte dann die jeweiligen Professoren, daß sie uns zu prüfen hätten. Die Prüfungstermine (im Februar) konnten/mußten wir selbst mit den Professoren vereinbaren.

Das Wintersemester dauerte bis zum 19. Januar. Danach bereiteten wir uns auf die Prüfungen vor, die wir im Februar - die "Verlängerer" z.T. auch im März - ablegten.

TIPS: Vorlesungsverzeichnisse wie bei uns existieren nicht, nur Hefte mit den Kursprogrammen (für die jeweilien Abschlüsse) ohne Ort und Zeit. Am besten informiert man sich über Art, Ort und Zeit der Vorlesungen in den Schaukästen der Panthéon-Halle und in der rue Tolbiac.

Es empfiehlt sich, mehr als 3 Vorlesungen zu besuchen und ggf. auch mehr als 3 Prüfungen zu machen. Den "Pariser Schein" (der nicht als Wahlschein vom JPA Köln anerkannt wird, bei dessen Vorlage aber auf die Vorlage eines solchen verzichtet wird) bekommt man nämlich nur, wenn man min. 3 Prüfungen besteht. Bei 4 Prüfungen ist also ein "Fehlschuß" erlaubt. Beim Aushandeln der Prüfungstermine sollte man diese "entzerren", damit man min. je eine Woche Vorbereitungszeit hat.

Bei der Auswahl seiner Prüfungsfächer sollte man Wert auf zweierlei legen:

1) Das Thema sollte einen interessieren. In Paris werden Kurse angeboten, die es in Köln nicht gibt, z.B. "Internationales Wirtschaftsrecht". Es ist sinnvoll, "sinnverwandte" Kurse zu wählen, z.B. nur internationales Recht oder nur französisches ÖR oder nur französisches PR. So können sich Vorlesungen ergänzen und man erkennt die Zusammenhänge besser.

2) Man muß dem Kurs folgen können. Hierzu muß einem der Prof. liegen, insbesondere muß er - für Ausländer - verständlich sprechen. Eine französische Vorlesung ist nämlich nicht - wie oft bei uns - eine interessante, fallorientierte Diskussion, sondern der Prof. trägt langsam in einem Monolog den Stoff vor, der in der Prüfung abgefragt werden kann. Die Studenten schreiben den Monolog wortwörtlich mit und lernen ihn. Sofern man als Deutscher französisch nicht perfekt beherrscht - ein sehr gut minus im Abitur-Leistungskurs dürfte als Qualifikation nicht ausreichen - wird man nicht jedes Wort verstehen und vor allem nicht mitschreiben können. Man wird höchstens das Wesentliche und das System begreifen. Dies reicht für die Prüfung, zumindest um sie "überdurchschnittlich" zu bestehen, nicht. (Ganz Faule oder sprachlich Unbedarfte können natürlich auch eine HGB-Vorlesung in deutscher Vorlesungssprache wählen (was von uns keiner machte) - nur damit verschenkt man die wirklichen Vorteile eines Frankreich-Studiums.

Daraus folgt, daß man die Lerninhalte unbedingt nachlesen muß. Und daraus folgt, daß für die Wahl eines Kurses mitentscheidend sein sollte, welche Materialien es gibt. In meinen drei Prüfungsfächern waren folgende drei Möglichkeiten vertreten, die mir wesentlich halfen, jeweils "überdurchschnittlich" die Prüfung zu bestehen:

a) Der Prof. hat ein Buch geschrieben. In diesem Fall wird er fast immer anhand seines Buches vorgehen. Bsp.: Prof. Flory, droit international économique. Erst zu spät merkte ich, wie man in diesem Fall sein eigenes Skript bastelt: Man kopiert das Buch und legt die Kopien in der Vorlesung vor sich hin. Dann markiert man jeden Satz, der vorgetragen wird, und übergeht die ungesagten. Dadurch hat man ein wortwörtliches Skript und lernt nur das für den Prof. Wichtige. Weiterhin hat man dadurch Zeit zum Mitdenken - ganz im Gegensatz zu den französischen Mitkommilitonen, die nur Zeit zum Stenographieren haben. Wenn man dann später sogar noch das Ungesagte aus dem Buch liest, weiß man mehr als die anderen und kann die Prüfung hervorragend bestehen.

b) Der Prof. orientiert sich am Buch eines anderen Prof.. In diesem Fall muß man das Buch selbst herausfinden, sofern der Prof. es nicht benennt. Allerdings sind hier Abweichungen zu a) oft größer und oft wird auch die Reihenfolge der Kapitel geändert. Bsp.: Prof. Dr. Castagnede, droit fiscal international, der das gleichnamige Buch von Guy/Thessier (ich kann mich hier in der Schreibweise irren) als Leitfaden benutzte.

c) Es gibt ein maschinengeschriebenes, fotokopiertes Skript. Hier gibt es erstens offizielle, vom jeweiligen Prof. authorisierte Skripten. Diese sind käuflich in der Bibliothek Cujas (dem juristischen "Hauptseminar", wenn man das Panthéon-Gebäude zum Panthéon hin verläßt links das Gebäude auf der anderen Straßenseite) zu erwerben. Zweitens kursieren in manchen Kursen inoffizielle Skripten: Bsp.: Zu meiner Vorlesung "Droit international privé" bei Prof. Dr. Lagarde existierte ein Skript aus dem Vorjahr 1989/90, daß zu 95 % exakt den gleichen Stoff wie seine Vorlesung 90/91 beinhaltete. Bei Prof. Dr. Lagarde war dies ein Glücksfall, denn seine beiden Lehrbücher von 1983 (ca. 1.800 Seiten!) waren durch neue internationale Abkommen veraltet und von seinem Kurs relativ entfernt.

Wenn a), b) und c) nicht helfen, muß man eine/n nette/n Mitkommilitonin/en finden, die/der ggf. ihre/seine Mitschrift zum Kopieren zur Verfügung stellt.

Letztlich muß man unterscheiden zwischen 1- und 2-Semester-Vorlesungen. Die Trennung in Semester ist nicht so streng wie bei uns. Die "vorlesungsfreie Zeit" beträgt oft nur ein bis zwei Wochen. Dafür gibt es Vorlesungen, die dreistündig pro Woche laufen und am Semesterende abgeschlossen sind und es gibt Vorlesungen, die nur 1 1/2stündig laufen, dafür aber das ganze Studienjahr hindurch. Wer wirklich etwas lernen will, aber nur ein Semester bleibt, sollte darum nur einsemestrige Vorlesungen wählen.

Abzuraten - außer bei übergroßem Arbeitseifer für Studenten, die französisch schon mit der Muttermilch eingesogen haben - ist von den TD (traveaux dirigés), einer Art Seminar, in denen "Kölner" auch kaum einen der heißumkämpften Plätze bekommen dürften. Die Vorlesungen reichen aus.

Generelle Informationen über das Studiensystem in Frankreich beinhaltet die Broschüre des CROUS (Anlage 7) sowie der "Studienführer Frankreich" des DAAD. Viele Informationen über Studium und Leben in Frankreich beinhaltet weiterhin das ebenfalls kostenlose Buch "Je vais en France" des CNOUS (Dachverband der CROUS), das ggf. über das "institut francais" in Köln beziehbar ist.

Anmeldungspflicht/Arbeitserlaubnis:

Theoretisch muß man sich in Paris polizeilich anmelden, wenn man länger als drei Monate bleibt. Von uns hat dies keiner gemacht, denn von Behörden und administration hatten wir nach unseren ersten Erfahrungen genug. Die Anmeldung soll ca. 1 Tag Lauferei und Arbeit erfordern! Außerdem besteht notfalls die Möglichkeit der Ausrede, daß man zwischendurch zu Hause war, so daß man ja nicht ununterbrochen 3 Monate in Frankreich war, die letzte Einreise also weniger als 3 Monate zurückliegt. Seine "Carte de Séjour" braucht man höchstens, wenn man nicht (meist vom Vermieter "schwarz") untermietet (z.B. ein Dachzimmer), sondern eine Wohnung als Hauptmieter und dann Versicherungen abschließen muß. Die dafür erforderlichen Preiskategorien beginnen jedoch erst bei ca. 4.000 FF p.m.! Dennoch habe ich für "Sicherheitsfreaks" eine CROUS-Broschüre (Anlage 8) beigefügt, die hierüber und über Arbeitserlaubnis etc. Auskunft gibt.

Verpflegung/Restaurants:

Neben Selbstverpflegung besteht die Möglichkeit, in den 16 auf das Stadtgebiet verteilten Mensen zu essen (für 10,50 FF einen Haupt- + drei Nebenteller) sowie in den 17 "restaurants agrées par le CROUS", die ebenfalls das CROUS-Ticket akzeptieren. Von letzteren für Freunde der arabischen Küche empfehlenswert: Foyer Musulman, 115 bd. St. Michel (beim südlichen RER-Ausgang Luxembourg): mittwochs und freitags Couscous. Weiterer Vorteil: am Wochenende geöffnet. Alle notwendigen Informationen beinhaltet die CROUS-Broschüre Nr. 1 (Anlage 9).

Weitere Restaurants für Studenten bestehen in der cité, wo auch einige "maisons" eigene Restaurants haben, die dann aber etwas mehr als 10,50 FF/Essen kosten. Hervorragend, auch vom Ambiente, ist z.B. das spanische Haus (35 FF).

TIP: Natürlich gibt es in Paris unermeßlich viele privatwirtschaftlich geführte Restaurants. Geschmäcker (und Geldbeutel) sind verschieden, trotzdem möchte ich drei relativ billige Lokale empfehlen:

1) Le Navigator, 63, rue Galande, Tel. 43.54.35.86: Unschlagbares Preisleistungsverhältnis, wenn man gute Küche schätzt. Menus von 70 - 160 FF. Das 3-Gänge-Menu zu 70 FF beinhaltet sogar 0,35 l Wein, muß aber vor 20.oo h begonnen werden. Wer richtig auf die Pauke hauen will - oder zahlende Eltern/Verwandte zu Besuch hat -, dem sei das 5-Gänge-Menu zu 160 FF empfohlen, wobei als erster Gang auf jeden Fall foie gras und als dritter "pavé Rossini", ebenfalls mit foie gras in einer fantastischen Soße zum Fleisch, gewählt werden sollte.

2) A l'huitre et demi, am südlichen Ende der rue Mouffetard, etwa in Höhe der Straße "Passage des Postes". A la carte wird es teuer, jedoch gibt es hinten in der Speisenkarte versteckt ein 3-Gänge-Menu zu 68 FF und ein 4-Gänge-Menu zu 88 FF in ansprechender Qualität und romantischer Atmosphäre mit Kerzenschein. Gut ist besonders alles "Fischige".

3) Le Perraudin, 157, rue St. Jacques, Tel. 46.33.15.75, keine Reservation möglich, sonntags geschlossen: Leider nur mittags (59 FF) und nicht abends ein Menu. Trotzdem abends auch à la carte relatif preiswert (ca. 100 FF) mit hervorragenden Desserts und toller Atmosphäre.

Gute Tips, auch meine o.g. Tips 1) + 3), beinhaltet "Le Guide Jeunes à Paris", der kostenlos zweimal jährlich erscheint und dann in der Uni ausliegt.

Sprachtraining:

In erster Linie sollte man ein Paris-Semester weniger vom juristischen Lernerfolg sehen. Aufgrund der Sprachschwierigkeiten lernt und liest man in Köln schneller bzw. kann in der gleichen Zeit mehr Stoff pauken als in Paris.

Dafür sollte man in Paris die Gelegenheit nutzen, sein Französisch zu verbessern. Hierfür kann ein Aufenthalt im Maison Heinrich Heine schlechter sein, als der Aufenthalt in einem anderen Haus der cité. Man sollte schon bei der Wohnungswahl darauf achten, später nicht nur mit Deutschen zusammenzuhocken.

Private Kontakte mit Franzosen/innen schulen sehr. Darum sollte man Diskussionen, Schwoof-Abende usw. mit Franzosen als ebenbürtige "Unterrichtseinheiten" wie das Lesen in der Bibliothek ansehen.

Letztlich bietet sich natürlich an, Sprachkurse zu besuchen. Das Angebot der Uni Paris I ist - trotz jumelage - Null! Gegen einen "bescheidenen" Beitrag von ca. 3.000 FF besteht die Möglichkeit, an Paris III (Sorbonne) an Sprachkursen teilzunehmen. Eine billigere Möglichkeit stellt das institut catholique (M. Rennes) dar, das auch Nicht-Katholiken offensteht.

Hier müßten die Universitäten Köln und Paris I für ein kostenloses Angebot sorgen.

Kunst und Kultur:

Zu diesem Thema ließe sich so viel berichten, um diesem Bericht den Umfang eines Buches zu geben. Darum nur wesentliche Hinweise:

An jedem Kiosk sind wöchentlich (mittwochs) erscheinende Veranstaltungskalender zu erwerben, z.B. "l'officiel des spectacles", ca. 164 Seiten, 2 FF und "pariscope", ca. 230 Seiten, 3 FF. Beide geben Auskunft über alle Theaterstücke, Kinofilme, Konzerte, Führungen durch Paris (visites conferences, unbedingt machen!), Ausstellungen, Museen, Diskotheken mit Öffnungszeiten, Preisen usw.. Pariscope ist etwas ausführlicher (z.B. Kurzbeschreibung der Theaterstücke) und beinhaltet im Gegensatz zum officiel als einziges inhaltliches "Mehr" an Rubriken auch "erotische Anzeigen" und Adressen von "Clubs de rencontres" etc.. Preis und Gewicht gaben bei mir jedoch für den officiel den Ausschlag. Mit einem dieser Ratgeber bewaffnet, läßt sich mehr Interessantes finden, als man dafür Zeit zur Verfügung hat. Folgende Einzeltips möchte ich geben:

Konzerte: Oft kostenlos in Kirchen, steht im officiel! Desweiteren sind die vom CROUS organisierten Konzerte fantastisch und kostenlos, allerdings sollte man wegen oft begrenzter Platzzahl nicht zu spät kommen.

Oper: (Garnier, Bastille, comique): Alle drei Opern sind allein schon wegen der Gebäude eine Besichtigung wert. Und statt tagsüber 20 FF Eintritt zu zahlen, sollte man lieber 30 - 40 FF für einen der billigsten Plätze einer Aufführung aufwenden. (Hinzu kommt dann noch in den Opern Garnier und Bastille das obligatorische Trinkgeld für die Platzanweiserin und ggf. Garderobe.) Der Kartenverkauf beginnt ab 2 Wochen vor Vorstellungsbeginn und bereits dann sollte man sich bei stark nachgefragten Stücken der Bastille-Oper an der Kasse die Karten besorgen. Für jede Vorstellung wird zwar ein Kontingent für den Abend zurückgehalten, wenn es aber nur 100 Karten sind, hilft dies nichts Platz Nr. 400 in der Schlange! Bei den beiden anderen Opern ist die Gefahr eines Total-Ausverkaufs jedoch geringer und es bietet sich das Studenten-Roulette an, das auch für einige Theater (z.B. comédie francaise) existiert: Kurz vor Beginn der Vorstellung (Garnier: 30 min., comique: 15 min.) werden nicht verkaufte Karten für Studenten zum Sonderpreis freigegeben. Dann kann man mit Glück auch schon einmal für 40 FF einen Orchesterplatz erwerben.

Kino: Als erstes entscheidet natürlich der Film. Als Kinosaal sind jedoch interessant: Rex (2 arr.), großer Saal mit 2.800 Plätzen (Achtung: Im officiel schauen, ob die Vorstellung auch wirklich auf dem grand écran läuft), UGC-Normandie (Champs-Elyséss, 8. arr.), 852 Plätze, sehr modern und La Pagode (7. arr.), eine in China zerlegte und in Paris wieder zusammengesetze Pagode.

Museen: Gibt es fast zuviel. Auskunft gibt der officiel. Neben den bekannten Museen (Louvre, Orsay, Centre Beaubourg, Picasso, Orangerie, Marmottan, Palais Tokio, Petit Palais, Rodin (alle hauptsächlich Malerei und Plastiken etc.) und Cluny (mittelalterliche Kunst)) besonders empfehlenswert: Cinema, Carnevalet (über Paris!), arts decoratifs et de la mode (z.T. Modeausstellungen!), Guimet (Asien, rießengroß!) und arts africains et océaniens. Generell sei empfohlen, Museen zu besuchen, die Objekte beinhalten, die in Deutschland wesentlich rarer oder überhaupt nicht zu sehen sind. Der Impressionismus wurde z.B. in Paris geboren. Darum hat Paris hier den größten Reichtum aller Museumsstädte (u.a. Orsay, Orangerie und Marmottan mit fantastischen Monets). Außerdem war Paris Kolonialmacht in Afrika und Asien und hat fleißig geplündert, so daß neben den beiden o.g. großen viele andere Museen Objekte dieser Länder zeigen (z.B. musée de l'homme, Cernuschi usw.). Nicht versäumen sollte man schließlich den Besuch des instituts du monde arabe, ggf. verbunden mit dem Besuch der nahen großen Pariser Moschee. Hingewiesen sei auch auf die im officiel unter "à travers paris" aufgeführten anderen "monuments et autres curiosites".

Theater: Je nach Sprachkenntnis mit Vorsicht zu genießen. Wer kein Geldrisiko tragen will, sei auf die "invitations" des CROUS (nachfolgend ausgeführt) verwiesen. Man sollte keine sprachlich zu schweren Stücke wählen (z.B. Rimbeau, wie es sich für mich als Fehler herausstellte) sondern eher solche, deren Inhalt man kennt.

CROUS: Heiß empfohlen sei das Animationsbüro des CROUS in der Crous-Zentrale 39, av. Georges Bernanos (M. Port-Royal). Alle zwei Monate erscheint ein Veranstaltungsprogramm, das kostenlos per Tel. 40.51.37.13 angefordert werden kann. Besser ist jedoch, dorthin zu gehen - eventuell verbunden mit dem Besuch der Mensa - und direkt zu buchen. Gute Angebote - wie z.B. Ein-, Zwei-Tages- oder Wochenausflüge, aber auch Besichtigungen von Modeschöpfer-Ateliers - sind schnell vergriffen. Alle Veranstaltungen an denen ich teilnahm - u.a. von Besichtigungen des Pariser Observatoriums, der Nationalversammlung, La Defense u.a. Viertel über Museumsführungen (z.B. Wein-Museum), Einladungen zum Abendessen in Familien, Cocktail-Empfänge (für "boursiers") im Pariser Rathaus oder der Sorbonne bis hin zu Reisen (z.B. Senlis und Loire) waren hervorragend, besonders die großen Ein- oder Mehr-Tages-Ausflüge, bei denen man immer schnell und einfach nette Studenten/innen kennenlernt sowie etwas für seine nicht-juristische Bildung tut. Ein besonderer Vorteil liegt darin, daß die Führer sich meist darauf einstellen, ausländische Studenten zu führen und dementsprechend deutlich und verständlich sprechen.

Weiterhin kann man in der CROUS-Zentrale oft verbilligt Konzert-, Theater- u.a. Karten bekommen. Besonderer Schlager sind die "invitations". Gegen eine Schutzgebühr von 4 FF,- bekommt man Karten, die sonst oft 100, 160 FF oder mehr kosten. Als Anlage 10 füge ich eine Kultur-Info-Broschüre des CROUS bei.

Weitere Informationen, Prospekte etc. bekommt man kostenlos beim Pariser Touristikamt, Champs-Elysées (M. Etoile).

Paris muß man als Stadt kennenlernen. Man sollte nicht tumb und achtlos - wie die meisten Pariser - durch diese Stadt laufen, sondern sollte einen Führer bei sich haben, um z.B. nachschlagen zu können, vor welchem unbekannten Gebäude man denn steht. Führer gibt es viele. Trotzdem möchte ich neben Polyglott und Co eine Empfehlung aussprechen: "Paris praktisch und historisch" von Alexandra Torna, ALGOL-Verlag Köln, 5. Aufl. 1989 (vielleicht inzwischen neue Auflage). Den Paris-Band der üblicherweise hervorragenden Reihe der DuMont-Kunstführer kann ich nur eingefleischten Architektur-Spezialisten empfehlen. Er ist vom Umfang mit Paris und der Ile de France überfrachtet und rein architektonisch ausgerichtet, zu Lasten aller anderen Aspekte. Desweiteren: Wer einen Studenten/jungen Touristen aus einem englischsprachigen Mutterland kennenlernt, sollte fragen, ob er den "Let's GO" France oder Europe von Harvard University Press hat (in 50% der Fälle ist die Antwort ja). Das Paris-Kapitel ist hervorragend mit einer Fülle von guten Eß-/Ausgeh- u.a. Adressen. Darum an dieser Stelle nur noch zwei:

1) Bester Jazz-Keller von Paris, mit Tanzmöglichkeit: Le Caveau de la Huchette, 5, rue de la Huchette. 2) Klitzekleiner Chansonkeller mit toller Stimmung (jeder Gast darf singen, es singen aber nur solche mit wirklich guter Stimme): Piano Zinc, 49, rue des Blancs Manteaux: Erdgeschoß und zweites Untergeschoß ist Bar, 1. Untergeschoß (ab 22.00 Uhr offen) Chanson-Keller. Dieses Etablissement wird allerdings vorzugsweise von PD (Homosexuellen) besucht (, was mich nicht störte. Eher führt dies zu einer besonderen Atmosphäre und weibliche Besucher haben trotzdem keine Probleme - oft singt sogar eine Frau).

TIP: Paris-Führer in Deutschland in der Stadtbibliothek ausleihen und ggf. verlängern (lassen). Wer einen kauft, sollte, auch um sein Französisch zu verbessern, ein französisches Werk in Betracht ziehen, z.B. den Guide routard oder den Michelin.

FAZIT:

Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß mein sechsmonatiger Paris-Aufenthalt meine Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern übertraf. Aus persönlicher Sicht habe ich keine Zeit verloren, sondern diese intensiv mit positivem Ergebnis genutzt. Das "Weniger lernen" in juristischer Hinsicht - obwohl ich hier eine ganze Menge lernte - wurde mehr als ausgeglichen durch die Verbesserung meiner französischen Sprachkenntnisse und vor allem die Erweiterung meines Horizonts in nicht-juristischer Hinsicht, insbesondere im Bereich Architektur und Kunst. Fruchtbar waren auch meine vielen "internationalen Kontakte" - mit Franzosen und anderen ausländischen Studenten aller Kontinente, besonders durch Veranstaltungen des CROUS. Interessant war z.B. während des Golf-Konflikts mit Arabern zu diskutieren, deren Information, Sicht- und Denkweise oft erheblich von der in Deutschland geführten Diskussion abwich, die französische Golf-Diskussion zu beobachten, die sich ebenfalls von der deutschen unterschied oder in Frankreich die Debatte über die deutsche Wiedervereinigung aus französischer Sicht zu verfolgen. Gerade durch solche Gespräche wurden spezielle französische, arabische und andere Sichtweisen, Ängste und Probleme von mir besser verstanden (nicht übernommen!). Die hohe Konzentration in Paris - sowohl im Hinblick auf Kunst und Kultur, als auch bezüglich der Internationalität - machen diese Stadt sicher zum geeignetsten Studienort Frankreichs.

Verbesserungswürdig bleibt die Unterstützung hinsichtlich Unterkunft und finanzieller Situation. Konkret müßte die Uni Köln folgendes versuchen:

1) Für Kölner Studenten, die nach Paris I gehen, müssen ausreichend lange vorher - über den CROUS oder die cité - seitens der Universitäten erschwingliche Unterkünfte reserviert und bereitgestellt werden. Die französische Universitätsverwaltung geht immer den Weg des geringsten Widerstands. Folglich muß der Druck aus Köln bzw. Paris I stärker sein, als die Arbeit und die Probleme der bevorzugten Behandlung für Partnerschafts-Studenten.

2) Ein Stipendium von DM 550,- p.m. ist für Paris völlig unzureichend. Paris ist gegenüber anderen französischen Städten exorbitant teuer. Darum muß die Rate höher ausfallen.

3) Mündliche Zusagen der Uni Köln sollten eingehalten werden. Auch wenn sie prozessual nicht (immer) beweisbar sind, können "Vertrauensschäden" entstehen.

4) Wenn die Uni Köln keine Verbesserung der Punkte 1) und 2) herbeiführen kann, muß die Auswahl und definitive Zusage gegenüber den Stipendiaten so rechtzeitig erfolgen, daß diese noch eine Chance zur vielgerühmten "Eigeninitiative" haben. Wenn die Bewerbungsfristen für Studentenunterkünfte verstrichen und die Geldtöpfe weiterer Stipendienmöglichkeiten bereits geleert sind, ist Selbsthilfe unnötig erschwert.

In diesem Sinne hoffe ich, eine konstruktive Kritik, vor allem aber nachfolgenden Studenten viele nützliche Hinweise gegeben zu haben.

Rechtsanwalt Markus Kreuzkamp
Im Heidewinkel 25a
D-40625 Düsseldorf
Tel.: 0211 - 9293418


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